Kieferorthopädie / Zahnkorrektur - Teil 3 unserer Zahnmedizinserie

2012-04-27 14:39 -

Überblick

Die Kieferorthopädie behandelt im Allgemeinen Zahn- und Kieferfehlstellungen. Besonders Kinder und Heranwachsende bekommen oft eine Zahnspange, um Zahnfehlstellungen zu korrigieren, aber auch immer mehr Erwachsene lassen sich eine feste oder herausnehmbare Spange anfertigen.

Die Entwicklung in diesem Bereich ist groß: Waren feste Zahnspangen vor wenigen Jahrzehnten noch alles andere als hübsch, gibt es heute Methoden, bei denen die Spangen von außen nicht zu erkennen sind. Auch wer in der Öffentlichkeit steht oder viel mit Menschen beruflich zu tun hat, braucht sich nicht zu scheuen, eine Zahnspange zu tragen.

Gründe

Denkt man an Zahnkorrekturen durch Zahnspangen, fallen vielen Menschen spontan ästhetische Gründe ein. Natürlich spielt dies eine Rolle, allerdings sind bei Erwachsenen und Kindern weitere Aspekte bedeutend, warum Kieferorthopädie in Anspruch genommen wird.

Bei Kindern beginnt eine kieferorthopädische Behandlung im Allgemeinen zwischen dem achten und neunten Lebensjahr. Liegen Fehlstellungen der Zähne vor, lassen sie sich durch Kieferorthopädie in diesem Alter gut beeinflussen. Stehen Zähne zu eng oder schief, sind die Zähne vermehrt für Karies anfällig; sind die Abstände zu groß, ist Parodontose möglich.

Doch Kinder leiden auch sekundär unter Fehlstellungen der Zähne oder des Kiefers: Verspannte, schmerzhafte Kaumuskulatur kann zu Nacken- und Kopfschmerzen führen, schiefe Zähne zu einer unkorrekten Aussprache und letztendlich zu einem geringen Selbstwertgefühl.
Bei Erwachsenen sind die Gründe für eine Zahnkorrektur ähnlich.

Methoden

Bei der Kieferorthopädie kommen zur Zahnkorrektur verschiedene Methoden zum Tragen.

Während beim Kind Kiefer und Schädel durch orthopädische Maßnahmen beeinflusst werden können, ist dies beim Erwachsenen nicht mehr möglich. Hier können allerdings noch Zahnverschiebungen korrigiert werden.

Beim Erwachsenen kommen dabei überwiegend feste Zahnspangen zum Einsatz. Herausnehmbare Spangen führen oft nicht zum Erfolg, da die Unterstützung durch das Knochenwachstum, wie es beim Kind vorhanden ist, fehlt.

Festsitzende Spangen, die so genannten Brackets, sind oft erfolgreich, weil sie zum einen genau durch den Zahnarzt reguliert werden können und zum anderen rund um die Uhr getragen werden. Die Aussprache wird durch eine solche Spange nicht behindert. Allerdings ist es äußerst wichtig, dass Kinder und Erwachsene nach jeder Mahlzeit sorgfältig Zähne und Spange reinigen. Essensreste sind sonst sichtbar und können beim Nichtentfernen zu Mundgeruch und Karies führen.

Heute sind feste Zahnspangen fast unsichtbar, so dass sie von den Mitmenschen und dem Träger kaum mehr als störend empfunden werden. Die Brackets, die früher aus Metall bestanden, können heutzutage aus Keramik oder Glasfasern hergestellt werden.

Bei der Lingualtechnik werden die Brackets auf der Zahninnenseite befestigt, so dass auch die Form der Zahnspange von außen nicht zu erkennen ist.

Relativ neu und aus den USA stammend, sind herausnehmbare und transparente Schienen von Invisalign®. Die Schienen werden über ein 3D-Computergrafik-Verfahren individuell erstellt und etwa alle zwei Wochen neu angefertigt. Diese so genannten Aligner müssen mindestens 22 Stunden täglich getragen werden, damit ein optimales Ergebnis erreicht wird. Zusätzlich muss das Wachstum vom Kiefer bereits beendet sein, so dass Kinder etwa ab dem 14. Lebensjahr für eine Zahnkorrektur durch Aligner-Schienen in Frage kommen.

Vorsorge, Nachsorge

Bevor eine Spange angebracht wird, muss der gesamte Mundraum genau untersucht werden. Nicht nur die Zähne spielen eine wichtige Rolle, sondern auch die Stellung und Funktion von Lippen und Zunge sind bei der Zahnkorrektur zu beachten. Ober- und Unterkiefer sind sowohl auf deren Stellung zueinander als auch auf Stellung und Zustand hin zu untersuchen. Anhand der Befunde unter anderem durch Röntgenbilder, Fotografien und einer Kiefermodellanalyse wird der Kieferorthopäde die geeignete Methode zur Zahnkorrektur auswählen.

Risken, Komplikationen

Bei einer Zahnkorrektur durch Zahnspangen kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen. Zum einen sind allergische Reaktionen auf das verwendete Material möglich. Werden Zähne und Spange nach Mahlzeiten nicht ausreichend gesäubert, steigt das Risiko für Karies und Zahnfleischentzündung. Wird eine feste Spange nicht korrekt angebracht, kann es vorkommen, dass Zahnbewegungen zu schwach, zu stark oder falsch ausgeführt werden.

Wird die Spange nach der Behandlung entfernt, ist es wichtig, darauf zu achten, dass alle Fixierungsreste restlos entfernt wurden. Ist dies nicht der Fall, kann es zu Beschwerden des Zahnfleischs kommen.

Preis

Je nach Alter des Kindes, wird die Erstellung einer Zahnspange von den Krankenkassen mehr oder weniger stark bezuschusst. Für die Eltern können aber trotzdem Kosten in Höhe von mehreren tausend Euro entstehen.

Bei Erwachsenen wird in der Regel nur die Korrektur eines starken Fehlbiss bezuschusst.

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