Zahnimplantate - Teil 5 unserer Zahnmedizinserie

2012-05-02 18:13 -

Überblick

Unter Zahnlücken leiden die Betroffenen besonders. Lächeln wird vermieden, so dass andere die Lücke möglichst nicht bemerken. Das Selbstwertgefühl leidet unter Zahnlücken unter Umständen sehr. Implantate bilden hier eine Möglichkeit, einzelne oder mehrere Zähne mit Kronen, Brücken oder Prothesen zu ersetzen.

Gerade junge Menschen fühlen sich ohne Lücke im Gebiss selbstbewusster. Allerdings sollte man bereits volljährig sein, da vorher der Kieferknochen in einigen Fällen sein Wachstum noch nicht komplett abgeschlossen hat.

Gründe

Ein Implantat wird dann notwendig, wenn aus verschiedenen Gründen die Zahnwurzel eines oder mehrerer Zähne nicht vorhanden ist. Häufig passiert dies durch Unfälle, wenn der Mundraum durch Schläge oder Aufprelle stark beschädigt wird. Möglich ist aber auch, dass man teilweise ohne vereinzelte Zähne geboren wird. Auch durch Krankheiten kann es zum Verlust von Zahnwurzeln kommen.

Solche Zahnlücken können mit einem Implantat überbrückt werden, ohne dass sich der Betroffene mit seinem künstlichen Zahn eingeschränkt fühlt. Durch das Ausfüllen der Zahnlücke steigt nicht nur das Selbstbewusstsein, auch die umliegenden Zähne werden vor Fehlstellungen geschützt.

Methoden

Der Zahnarzt erstellt anhand der individuellen Befundes einen Behandlungsplan. Damit ein Implantat fest und sicher im Kiefer sitzt, ist es notwendig, dass hier ausreichend Knochen vorhanden ist. Ist dies nicht der Fall, kann durch das Einsetzen von körpereigenem Knochengewebe am Kiefer neuer Knochen quasi gezüchtet werden.

In den meisten Fällen werden Implantate aus Titan hergestellt. Sie werden in den Kieferknochen geschraubt und ersetzen dort die Zahnwurzel. Im ersten Schritt erfolgt lediglich das Einsetzen der Titanschraube. In der Regel dauert es vier Monate, bis die Schraube mit dem umliegenden Gewebe verwachsen und integriert ist.

Auf die Schraube wird ein Verbindungsstück gesetzt, welches schließlich die Brücke oder Krone trägt.

Bei jungen Leuten, die durch einen Unfall einen einzelnen Zahn verloren haben, wird oft ein Implantat mit einer Krone ergänzt. Die umliegenden Zähne werden so nicht beschädigt.

Ist es zum Verlust von mehreren Zähnen in einer Reihe gekommen, dienen Implantate oft als Brückenpfleiler. An strategisch wichtigen Stellen werden in solchen Fällen Implantate gesetzt und die Lücken durch Brücken ersetzt.

Fehlen alle Zähne, können Implantate ebenfalls eine Hilfe sein, da sie ein herausnehmbares Gebiss stabilisieren können. In diesem Fall ist ein ausführliches Gespräch mit dem Zahnarzt notwendig, da es verschiedene andere Methoden gibt, um ein herausnehmbares Gebiss zu erstellen.

Gerade junge Menschen profitieren aber davon, wenn mit Hilfe von Implantaten festsitzende Brücken hergestellt werden. Im Unterkiefer sind dafür vier Implantate notwendig, im Oberkiefer sechs.

Vorbereitung, Ablauf, Nachsorge

Bevor konkret über ein Implantat nachgedacht wird, erstellt der Zahnarzt ein Röntgenbild der Zähne. Weder in den Zähnen noch im Kiefer dürfen Entzündungen vorhanden sein; auch der Knochen des Kiefers sollte ausreichend ausgeprägt sein. Ist dies nicht der Fall, wird durch ergänzende chirurgische Verfahren Knochenmaterial am Kiefer geschaffen. Möglich ist es außerdem, ein neuartiges Implantat namens NobelActive-System einzusetzen, welches speziell für lockeres oder vermindertes Knochengewebe entwickelt wurde.

Wurde der Behandlungsplan erstellt, wird eine Bohrschablone erstellt. So kann später das Implantat millimetergenau eingesetzt werden.

Da der Eingriff unter örtlicher Betäubung, bei schwereren Verfahren auch unter Vollnarkose stattfindet, ist die Behandlung an sich schmerzfrei. In den ersten Tagen danach sind Schmerzen im Kiefer wahrscheinlich; der behandelnde Zahnarzt wird für diesen Fall aber Schmerzmittel verschrieben haben. Schwellungen können durch kühlende Maßnahmen gelindert werden. Damit die Wunden nicht übermäßig gereizt werden, sollte man heiße Getränke, Alkohol oder Schwarztee in den ersten Tagen nicht tragen. Nikotin kann durch die enthaltenen Giftstoffe die Wunde reizen und außerdem zu Wundheilungsstörungen durch eine eingeschränkte Durchblutung führen.

Für die Reinigung des Implantats benutzt man spezielle Bürsten und Zahnseide, um Ablagerungen und Entzündungen zu vermeiden. Eine professionelle Zahnreinigung sollte man einmal jährlich einplanen.

Komplikationen, Risiken

Pflegt man sein Implantat sorgfältig, kann es bis zu 15 Jahre im Kiefer verbleiben, ohne dass es zu Entzündungen kommt.

Hat der behandelnde Zahnarzt ausreichend Erfahrung im Bereich von Implantaten, ist das Risiko relativ gering, dass während des Eingriffs Komplikationen entstehen. Möglich sind allerdings Beschädigungen von Nerven, umliegenden Zähnen oder des Kiefers. Auch stärke Blutungen aus der gut durchbluteten Mundschleimhaut sind möglich.

Es gibt einige Risikofaktoren, bei deren Vorliegen man mit dem Zahnarzt genau besprechen sollte, ob und wann ein Implantat eingesetzt werden soll. Rauchen, Diabetes mellitus oder ein geschwächtes Immunsystem zählen dazu, da die Wundheilung hier gestört sein kann. Bestimmte Arzneimittel gegen Osteoporose oder Rheuma sprechen unter Umständen ebenfalls gegen Implantate. Liegt eine Zahnbetterkrankung vor, muss dieses vorher gründlich behandelt werden, da die Entzündung sonst auf das Implantat und die umliegenden Strukturen übergreifen kann.

Allergische Reaktionen auf Titan sind sehr selten.

Kosten

Ein Einzelimplantat kostet ab 1.500 Euro.

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