Brustaufbau nach Mastektomie - Prof. Dr. Michel im Interview

Brustaufbau nach Mastektomie -  Prof. Dr. Michel im Interview
Gründung 14.08.2018 · Update 14.08.2018

Herr Prof. Dr. med. habil. Ralf Thomas Michel ist anerkannter Facharzt für Frauenheilkunde. Er verfügt über langjährige Erfahrungen in den Schwerpunkten ästhetische, plastische und wiederherstellende Operationsverfahren sowie in der gynäkologischen Onkologie. Seit 1991 trägt er den Titel des Professors im Fach der Frauenheilkunde und Geburtshilfe, wobei seine Habilitationsschrift das Mammakarzinom zum Thema hat. Er ist Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für ästhetische, plastische und wiederherstellende Operationsverfahren in der Gynäkologie (AWOgyn) sowie Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie und der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschlands. Zahlreiche wissenschaftlichen Publikationen und Vorträge (mehr als 200), drei wissenschaftliche Preise und eine langjährige operative Erfahrung machen Herrn Prof. Dr. med. habil. Ralf Thomas Michel zu einem hochqualifizierten Spezialisten.

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Der Krebs mag zunächst besiegt sein, die Folgen für die betroffenen Patientinnen können dabei aber enorm sein. Bei etwa 20% der Mammakarzinom-Patientinnen wird eine Mastektomie durchgeführt. Die einseitige oder schlimmstenfalls beidseitige Entfernung der Brust mag nicht nur ein großer chirurgischer Eingriff sein, es ist vor allem ein großer Eingriff in die Lebensqualität und Psyche der Frau. Dank der rekonstruktiven Chirurgie ist es möglich die Brust wieder aufzubauen.

Dass Brustrekonstruktionen nach kompletter Brustentfernung (Ablatio mammae) zu einer eigenen Fachdisziplin gehören, kann Herr Prof. Dr. med. habil. Ralf Thomas Michel bestätigen. Er führt diese Operationen seit über 20 Jahren durch und ist Fachspezialist für die Brustrekonstruktion nach Mastektomie. Herr Prof. Dr. Michel hat sich uns für ein Interview zur Verfügung gestellt, um über die möglichen Behandlungsmethoden, die Vorbereitung der Patientinnen und die möglichen Risiken aufzuklären.

Eine Mastektomie ist für die betroffenen Patientinnen sehr schwer zu verkraften, wann kann man mit einem rekonstruktiven Brustaufbau beginnen?

Zur Verbesserung der Lebensqualität und zur psychischen Unterstützung sollte den betroffenen Frauen generell schon frühzeitig die Möglichkeit einer Brustrekonstruktion angeboten werden. Diese kann, entsprechend der individuell gegebenen Situation, entweder als Sofortrekonstruktion in der gleichen Sitzung mit der Mastektomie erfolgen oder als zweizeitige Rekonstruktion zu einem späteren Zeitpunkt.

Für welche Patientinnen ist dies geeignet? Kann man mit dem rekonstruktiven Brustaufbau bereits während der Bestrahlung beginnen, wenn man sich z. B. einer Strahlentherapie unterziehen muss?

Den Einsatz der Strahlentherapie, die in bestimmten Fällen angezeigt ist, wird man im Rahmen der Gesamttherapiestrategie vor dem Brustaufbau diskutieren. Dabei wird heute in der Regel das leitliniengerechte Management der individuellen Erkrankungssituation im Rahmen einer interdisziplinären Tumorkonferenz erörtert und vorgeschlagen.

Welchen Arzt sollte man für einen solchen Eingriff wählen?

Für den operativen Brustaufbau sollte der ausführende Arzt eine besondere onkologisch-rekonstruktive Ausbildung und Erfahrung mitbringen und in der Lage sein, die individuell ausgewählte Technik ausführlich und verständlich zu erklären.

Welche Möglichkeiten/Techniken gibt es aus medizinischer Sicht, um mit dem Brustaufbau zu beginnen?

Für die operative Rekonstruktion der Brust nach Mastektomie kommt generell eine alloplastische oder autologe Rekonstruktion infrage. Dabei sollte die Wahl des Verfahrens stets individuell mit der Patientin abgestimmt werden. Bei der alloplastischen Rekonstruktion wird zur notwendigen Vordehnung der Gewebe möglichst subpektoral, d. h. unter den Brustmuskel, ein Gewebeexpander mit einer Hülle auf Silikonbasis eingebracht, der in bestimmten zeitlichen Abständen Schritt für Schritt mit steriler Kochsalzlösung aufgefüllt wird und so die zukünftige Prothesentasche für die zu implantierende endgültige Brustprothese vorbereitet. Der Vorteil dieses alloplastischen Verfahrens besteht darin, dass keine zusätzlichen Narben entstehen und der relativ unproblematische Eingriff auch bei älteren Frauen gut verträglich durchführbar ist. Nachteilig ist dabei die Tatsache, dass zur Erreichung des endgültigen Aufbauergebnisses ein zweiter Eingriff notwendig ist, ferner ein gewisses Risiko für eine spätere Kapselfibrose um das Implantat. Bei der autologen Rekonstruktion handelt es sich um den Aufbau mit körpereigenem Gewebe wie mit Hilfe des sogenannten TRAM-Lappens oder eines Latissimus-dorsi-flaps der allerdings häufig nicht genügend Gewebevolumen bereitstellt und daher oft mit einer zusätzlichen Prothesenimplantation kombiniert werden muß.

Mit welchen Problemen haben die betroffenen Frauen vor der OP zu kämpfen? Aus welchen Gründen entscheiden sie sich für den Eingriff?

Eine Mastektomie im Rahmen der Behandlung des Mammakarzinoms ist für jede Frau ein körperlich entstellender Eingriff mit deutlich depressiv belasteten Phasen. Der Wunsch nach Wiederherstellung des weiblichen Körperbildes mit weitgehender Wiedererlangung der körperlichen Integrität ist dabei ein wichtiger Teil der Behandlung, der den Gesamtheilungsverlauf im Sinne einer physischen und psychischen Rehabilitation positiv unterstützt.

Viele Patientinnen haben Angst davor. Es ist ja ein ästhetischer Eingriff. Welche Risiken kommen auf die Patientinnen zu?

Der Brustaufbau ist, sorgfältig und gut geplant durchgeführt, ein standardisierter Eingriff, der nicht mit besonders hohen Risiken verbunden ist. Bei den autologen Rekonstruktionen, bei denen als Nachteil öfters breite gelegentlich sekundär geheilte Narben zurückbleiben, ist im Laufe der letzten Jahre eine Reihe modifizierter ergänzender Verfahren entwickelt worden. Extreme und länger anhaltende Schmerzen oder Abstoßungen von Geweben bzw. Implantaten treten in der Regel bei den Rekonstruktionen nicht auf.

Ist es möglich, dass der Eingriff wiederholt oder korrigiert werden muss?

Wie bei allen operativen Eingriffen besteht natürlich auch bei der operativen Brustrekonstruktion grundsätzlich die Möglichkeit, dass chirurgisch-ästhetisch nachgebessert werden muss bzw. ergänzende Korrekturen notwendig sind.

Welche Erwartungen dürfen Patientinnen haben? Vor allem, wie lange dauert es bis zum Endergebnis?

Patientinnen dürfen generell positive Erwartungen an einen hinsichtlich der Ausgangssituation möglichen und entsprechenden Brustaufbau haben. Bei den anatomisch gegebenen individuellen Ausgangssituationen nach Ablatio mammae bestehen allerdings oft deutliche Unterschiede. Die Dauer bis zum Endergebnis einer Brustrekonstruktion inkl. gelegentlich notwendiger Nachoperationen kann recht unterschiedlich sein und hängt neben der individuellen Ausgangssituation und der verwendeten Technik auch vom Gesamtverlauf ab.

Wie fühlt sich die rekonstruierte Brust für die Patientinnen an?

Eine rekonstruierte Brust fühlt sich, je nach der verwendeten Technik, unterschiedlich an. Bei den alloplastischen Rekonstruktionen wird die fühlbare Konsistenz der Brust, je nach der Kohäsivstufe des verwendeten Gels bzw. dem Füllungszustand bei salinen Implantaten, fester sein als bei autologen Rekonstruktionen die mit Eigengewebe arbeiten.

Jeder erfahrene Operateur arbeitet mit einer bestimmten Technik mit der sie/er besonders vertraut ist. Welche Technik bevorzugen Sie aufgrund Ihrer persönlichen Erfahrung?

Bei der Rekonstruktion der Brust nach Brustamputation mit angleichender Operation der Gegenseite habe ich nach dem situationsentsprechenden Zeitintervall mit dem zweizeitigen alloplastischen Brustaufbau persönlich sehr gute Erfahrungen hinsichtlich des Verlaufs und der ästhetischen Ergebnisqualität. Allerdings gibt es dabei auch Risikofaktoren, die ein Ergebnis negativ beeinflussen können. Hierzu gehören Diabetes, Rauchen und eine zuvor erfolgte Bestrahlung. Im ersten operativen Schritt lege ich auf der Ablatio-Seite möglichst subpektoral, d. h. unter den Brustmuskel, einen Expander zur Vorbereitung der zukünftigen Implantattasche. Dieser wird dann ambulant Schritt für Schritt mit steriler Kochsalzlösung aufgefüllt und bereitet so die spätere endgültige Implantatasche vor. Auf der kontralateralen, d. h. auf der gesunden Seite, erfolgt in der gleichen operativen Sitzung in der Regel eine bruststraffende Reduktionsplastik oder auch nur eine reine Lifting-OP (Mastopexie) ggf. mit Korrektur des Brustwarzenvorhofs. Der angleichende Eingriff der Gegenseite ist in den meisten Fällen ästhetisch notwendig da die alloplastisch aufgebaute Brust durch ein entsprechend ausgewähltes Implantat immer relativ jugendlich-straff ist. In einem zweiten Eingriff, frühestens ca. 4-6 Monate später, wird dann der Expander auf der Ablatioseite entfernt und durch ein meist anatomisches endgültiges Implantat ersetzt. In dieser zweiten operativen Sitzung wird auch die ergänzende Rekonstruktion des Brustwarzenvorhofs und der Brustwarze vorgenommen. Die Rekonstruktion des Vorhofs erfolgt dabei mittels freier Hauttransplantation von der Oberschenkel-Innenseite, dort wo die Haut zum Genitalbereich dunkler pigmentiert ist. Die für das ästhetische Gesamtergebnis sehr wichtige Rekonstruktion der Brustwarze, die bei den meisten Frauen einen sehr hohen psychischen Stellenwert hat, erfolgt durch horizontale Halbierung und freie Transplantion der unteren Brustwarzenhälfte von der gesunden Seite bzw. durch Gewebe aus der kleinen Schamlippe. Alternativ kann in bestimmten Fällen optisch-rekonstruktiv auf medizinische Feinpigmentierungstechniken bzw. Tätowierungen zurückgegriffen werden.

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